Deutschlandreise: Haithabu – auf den Spuren der Wikinger an der Schlei

Ganz oben im Norden Deutschlands, fast am Ende (oder am Anfang) der Autobahn A7, mitten drin im Land zwischen den Meeren bei der Stadt Schleswig liegt ein kleines Dorf, darin sich vor rund 1.250 Jahren, zur Zeit der Wikinger, Menschen aus aller Welt getroffen haben. Warum das denn?

Dieser Ort war damals ein bedeutender Handelsplatz, denn er lag günstig für den Warenaustausch zwischen Nord-, und Ostsee. Das sollte er auch bleiben – fast 300 Jahre lang.  Die Wikinger, das alte Seefahrervolk, das damals die beiden Meere als ihr Revier betrachteten, trieben regen Handel und gelangten so bis ans Mittelmeer, das Kaspische Meer, ja sogar bis über den Atlantik. Sie handelten mit allem, was zur damaligen Zeit als nützlich und wertvoll betrachtet wurde: Fisch und Felle, Honig, Haushaltswaren, Öl und Wein, Schmuck und Gewürze.

Handel an der Schlei

Und jetzt verrate ich Dir auch den Namen des Ortes: Hedeby (dänisch) oder Haithabu (deutsch). Du findest ihn am Ende des langen Armes, den die Ostsee neugierig in das Land hinein streckt, Deutschlands längstem Ortseearm, der Schlei. Haithabu lag damit an der schmalsten Stelle der jütischen Halbinsel und das war sein Glück. Dennoch musste ein kurzes Wegstück von ca. 18 km über Land bewältigt werden, damals gab es den Nord-Ostseekanal noch nicht.

Haithabu – die stolze Handelsstadt

Du kannst Teile der einstigen Handelsstadt noch heute besichtigen, denn es wurde rekonstruiert und damit findest du insgesamt sieben Gebäude und eine Landungsbrücke vor, alles durch Bohlenwege miteinander verbunden. Auf der Brücke wurde Handel getrieben, sie stellte damit also den mittelalterlichen Marktplatz dar. In Haithabu fand man in archäologischen Ausgrabungen viele Waren aus fernen Ländern. Das ehemals 25 Hektar große Siedlungsgebiet ist mit einem Halbkreiswall, dem Danewerk, geschützt  – was damals sicherlich notwendig war. Dennoch wurde der Ort 1066 von slawischen Seefahren komplett zerstört.

Kinderwissen:
Bernsteinschleifer, Glasperlenmacher, Schmiede, Holzwerker, Kammmacher, Töpfer, Bootsbauer – die Wikinger waren sehr geschickte Handwerker. Viele siedelten sich an günstigen Handelsorten wie Haithabu an. Dort trafen die begehrten Waren aus aller Welt ein und wurden auf Karren ins Landesinnere weitertransportiert. Auf Flüssen ging es dann immer weiter bis an weit entlegene Orte. Den ersten globalen Warenhandel gab es also schon vor 1.200 Jahren.

Nordmannsvolk

Die Wikinger (die Bezeichnung stammt vom Wort „víkingr“, was so viel wie Seeräuber oder Pirat bedeutet) waren abenteuerlustige Händler, habgierige Räuber und großartige Bootsbauer, sie wussten alles über das Meer, den Wind und auch darüber, wie man sich erfolgreich durchs Leben schlägt.

Seit dem 7. Jahrhundert machten sie sich in kleinen und großen Gruppen mit ihren Booten auf den Weg nach überallhin, Nordamerika, die Küste Afrikas, zum Kaspischen Meer, ja, sie gelangten sogar bis Bagdad und Jerusalem. Zwei der bekanntesten Wikinger waren Erik der Rote, der Grönland entdeckte und sein Sohn, Leif Erikson, der als erster bis Nordamerika segelte.

Das Wikinger-Museum Haithabu

Du kannst dir viele Funde aus Haithabu im zugehörigen Ausstellungshaus ansehen, es gehört übrigens zu den bedeutendsten archäologischen Museen Deutschlands. Seit 2018 steht der Ort auch auf der UNESCO-Welterbeliste.

Wie komme ich da hin? Am Haddebyer Noor 5, 24866 Busdorf
Direkt zum Wikinger-Museum geht es hier.
Tipp:
Tauche ein in die Welt der Wikinger und besuche auch die Wikinger-Tage in Schleswig, jedes Jahr im August.
Was gibt es da noch so? An der Schleimünde bei Kappeln liegt die Lotseninsel, sie trennt die Schlei von der Ostsee. Du kannst sie nur mit dem Boot erreichen. Es gibt dort eine Gaststätte, die Giftbude, und einen kleinen Zeltplatz für ein Übernachtungsabenteuer. Doch Achtung bei Sturmflut, da verschwindet die Insel zuweilen.

Versuche Haithabu an Tagen zu besuchen, an denen es belebt ist. Manchmal sind Gruppen vor Ort, die das Leben von damals originalgetreu nachstellen. Das lohnt sich! Und vielleicht schnappst du die ein oder andere Geschichte aus der Götterwelt auf. Wir haben diese da gehört: Thors Hammer.

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