Arminius – der Römerbesieger

Nun hast du Arminius kennengelernt. Machen wir uns also auf und besuchen sein Denkmal. Der Cherusker-Fürst ist ein eher unbekannter Zeitgenosse. Man weiß nicht viel über ihn. Arminius diente einige Jahre als Führer germanischer Verbände im Heer der Römer, wurde später selbst römischer Bürger und erhielt daher auch seinen lateinischen Namen. Sein eigentlicher germanischer Name ist unbekannt. Eines ist uns auch nicht bekannt: warum Arminius sich irgendwann wieder ins Germanenland begeben hat und heimlich einen Feldzug gegen die Römer vorbereitet hat. Doch es bleibt jedem selbst überlassen, hin und wieder auch mal die Seiten zu wechseln, wenn es dafür Gründe gibt. Und die wird Arminius sicher gehabt haben. Auch nach der Varusschlacht blieb er rechts des Rheins auf Germanenseite, führte einige Feldzüge an, heiratete seine Frau Thusnelda, die später von den Römern gefangen genommen wurde und scharte zahlreiche Verbündete um sich.

Arminius ist es zuzuschreiben, dass sich die Römer nicht mehr weiter über den Rhein bewegten und all ihre Kastelle dort aufgeben mussten. Jedoch, wie so häufig, wenn es um Macht geht, zerstritten sich schließlich auch die besten Verbündeten und so kam es, wie es kommen musste. Arminius wurde im Alter von noch nicht einmal 40 Jahren von Verwandten ermordet. Das war damals nicht ganz ungewöhnlich. Erst viel später nannte man Arminius dann Hermann, den Heer-Mann.

Das Hermannsdenkmal – unser Nationaldenkmal No. 1

Also besuchen wir das Hermannsdenkmal und nicht das Arminiusdenkmal und sehen gleich schon mal einen Rekord vor uns. Die Arminius-Gedenkstatue ist die höchste Statue Deutschlands. Hermann selbst ist 26,57 m groß, das gesamte Denkmal unglaubliche 53,46 m hoch. Hermanns Schwert, dass er in den Himmel reckt, misst ganze 7 m und wiegt 550 kg, sein Schild allein über eine Tonne. Die ganze Anlage, also Statue und Sockel, steht auf einer Anhöhe, so dass das Ensamble noch mächtiger wirkt. Übrigens spendete Wilhelm I. damals 10.000 Thaler für die Errichtung des Denkmals – du erinnerst dich: er hat selbst ein Denkmal, in unserem Ranking die No. 2.

Was geht denn in dem Kopf so vor?

Du kannst im Innern des Hermann nach oben steigen, und gelangst so auf eine Aussichtsplattform, die in 20 m Höhe einmal ganz um ihn herumführt. Genieße den tollen Ausblick von dort oben über den Teutoburger Wald. Aber Vorsicht! Klettere nicht zu hoch! Man sagt, dem Hermann seinen schon einmal allzu neugierige Kletterer aus den Nasenlöchern gefallen.

Fast 1.800 Jahre nach Arminius – Hermanns Tod wurde mit dem Sockel des Denkmals auf dem Berg Grotenburg bei Detmold begonnen. Dort stand bereits eine alte germanische Wallburg. Den Hermann schuf Ernst von Bandel, der dafür 37 Jahre benötigte und dafür übrigens seine gesamten Lebensersparnisse eingesetzt hat. Das Denkmal muss ein großes Anliegen für ihn gewesen sein.

Hermann im Blitzlicht

Übrigens dient der Hermann auch als Forschungsobjekt: weil er so oft vom Blitz getroffen wird, ist seit einigen Jahren ein Blitzstrom-Messgerät an ihm angebracht, dass die Zahl und Stärke der Einschläge misst. Klar, wer so exponiert in der Landschaft steht, den ereilt dieses Schicksal nun mal. Doch es scheint ihm erfreulicherweise nicht viel auszumachen. Die Sensoren erkennt nur, wer ganz genau hinschaut.

Elternwissen:
Die Schlacht im Teutoburger Wald (https://www.lwl.org/westfaelische-geschichte/portal/Internet/finde/langDatensatz.php?urlID=840&url_tabelle=tab_websegmente) gilt als Gründungsmythos der deutschen Nation. Hier wurden Grenzen Europas gelegt. Das Symbol dafür ist das Hermannsdenkmal.

Kaiser Augustus war es, der zu Beginn des ersten Jahrhunderts auch den freien Teil Germaniens für das römische Reich beanspruchte und seinen Sohn Tiberius über die Grenze entsandte, um Verträge mit germanischen Stämmen zu schließen und eine Art Verwaltung aufzubauen. Dies gelang nicht überall, die freiheitsliebenden Stämme fühlten sich in ihren Rechten beschnitten und durch hohe Tributzahlungen ausgenommen. Vielleicht ein Grund für Arminius, die Seiten zu wechseln? Dies bleibt ein Rätsel.
Die Schlacht selbst wurde überaus grausam geführt. Am ausführlichsten berichten die römischen Geschichtsschreiber Florus und Cassius Dio darüber, basierend auf den Schilderungen des Tacitus in seinen Annalen (https://www.gottwein.de/Lat/tac/ann0159.php).

Drei römische Legionen, ein Achtel des römischen Heeres, sollen bei der Schlacht vernichtet worden sein, Varus, Statthalter in Germanien, mit dem Oberkommando der rheinischen Legionen betraut, beging noch auf dem Schlachtfeld Selbstmord und Augustus traf überaus verzweifelt seinen berühmten Ausspruch „Quintili Vare, legiones redde!“ (Quinctilius Varus, gib mir die Legionen zurück!“).

Die Römer zogen sich 17 n.Chr. endgültig aus dem freien Teil Germaniens zurück. „Das Reich … fand am Ufer des Rheins seine Grenze …“ (Florus).

Irgendwo zwischen Lippe und Ems wurden von einem römischen Suchtrupp unter Germanicus einige Jahre nach der Schlacht die Überreste gefunden und damit der Ort des Geschehens sehr wahrscheinlich eingegrenzt. Tacitus berichtet uns beiläufig von einem Höhenzug im Teutoburger Wald. Als ein möglicher Austragungsort gilt derzeit die Gegend um Kalkriese, einer Senke in Bramsche bei Osnabrück.

Der römische Legionsadler

Der Adler hatte in allen römischen Schlachten eine besondere Bedeutung und wurde als Symbol für Macht, Stärke und Erfolg in den Kämpfen mitgeführt. Die Aquila bestand aus einem Stab mit einer darauf befestigten Adlerfigur und wurde im Kampf stets vorausgetragen. Ihn gegen den Feind zu beschützen war eine große Motivation für die kämpfenden Soldaten.

In der Varusschlacht gingen die Adlerstäbe aller drei Legionen verloren, eine große Demütigung für die Römer. Diese schickten mit Germanicus einen Feldherrn in die rechtsrheinischen Gebiete, um sich die von den Germanen gestohlenen Legionsadler wieder zurückzuholen. Erfolglos, wie wir heute wissen.

Tip:
Wie kommt man dorthin? Grotenburg, Detmold-Hiddesen, am Rande des Teuto, mit Bus oder Auto direkt ans Denkmal fahren.
Mehr Infos unter: https://www.hermannsdenkmal.de/ und zur Varusschlacht im Museum und Park Kalkriese https://www.kalkriese-varusschlacht.de/museum-park.html, etwa 100 km nordwestlich von Detmold.
Was gibt es dort noch so? Einen Kletterpark, ein Mondscheinkino und ganz in der Nähe die Externsteine.
Filmtip: die Netflix-Produktion „Barbaren“ (2020, FSK 16) greift die Schlacht am Teutoburger Wald und die Arminius-Geschichte auf.
Und schließlich noch die Preisfrage:
Wer ist stärker? Hermann oder Siegfried?

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