Geschichten aus dem Teutoburger Wald

500 Jahre lang hatten die Römer großes Interesse am Land Germanien und gründeten vor allem dort im Süden viele römische Niederlassungen und Provinzen. Der Rhein markierte damals die Grenze zum Gebiet der Germanen, die die Römer unbedingt überschreiten wollten.  Die Römer beherrschten damals ein Gebiet vom Atlantischen Ozean bis zum Euphrat im Irak, von der Sahara Afrikas bis zur Nordsee, bissen sich dort am Rhein aber die Zähne aus. Im Jahr 9 n.Chr. betrat Arminius die Schlachtenbühne Germaniens und forderte die Römer heraus.  Als er die Bühne wieder verlies, waren die Römer schwer getroffen und konnten nie mehr rechts des Rheins Fuß fassen. Wie hat er das geschafft? Und warum hat er das getan? Das weiß man bis heute nicht.

Lasst uns ins Theater gehen. Es spielt: Die Varusschlacht.

Das Stück ist frei erzählt nach Cassius Dio, einem römischen Geschichtsschreiber.

In den Hauptrollen: Varus (römischer Senator und Feldherr), Arminius (Sohn des Cheruskerfürst Segimer, Hauptverschwörer, römischer Ritter und Germane von Abstammung), gleichzeitig auch Tischgenossen

Statisten: Etwa 20.000 römische Soldaten, Kinder, Frauen, Handwerker, Händler, Sklaven, Lasttiere

Requisiten: eine Unzahl an Zelten, Wagen, Möbeln, ganze Hausstände, Waffen, Äxte

das Bühnenbild: das Cheruskerland an der Weser, undurchdringliche Wälder, Baumriesen dicht an dicht, bergig, sumpfig, trügerisches Moor.

Das Stück:

Im Wald. Es regnet. Wurzeln und Stämme werden schlüpfrig.

Das Land zwischen Ems, Weser und Elbe wird von germanischen Stämmen bewohnt, deren Tapferkeit selbst unter den Römern weithin bekannt war. Allerdings auch ihre wilde Lebensweise, ebenso ihr treuer und aufrichtiger Charakter, ihr Freiheitswille und ihr Hang zum Faul-Sein (wenn sie nicht gerade kämpften).

Sturm kommt auf.

Ein Trupp der in Germanien stationierten Römer marschiert unter ihrem Anführer Varus ins Winterlager.  Auch Arminius und Segimer halten sich im Lager des Varus auf, speisen mit ihm und sind ihm vertrauensvolle römisch-germanische Mittelsmänner. Denn die Lage ist alles andere als ruhig. Tief im Germanenland sind die Römer nicht überall gern gesehen. Sie fordern Steuern und Gehorsam, was nicht jedem Bewohner dort gefällt.

Auf dem Weg zu einem von den Germanen gemeldeten Aufstand.

Einige Römerlegionen verlassen ihren Tross und nehmen einen Umweg, um die aufständischen Germanen zu befrieden. Da geraten sie plötzlich in einen listigen Hinterhalt, angezettelt ausgerechnet von Arminius. Drei Tage kämpfen und marschieren die Römer, verfolgt und wieder und wieder angegriffen von Germanenstämmen immer weiter in die tiefen, dunklen germanischen Wälder, begleitet von Regen und Sturm, die Waffen durchnässt und nicht mehr zu gebrauchen, stoßen in ihrer Angst gegen Bäume, und gegeneinander und finden nicht einmal mehr festen Stand, können weder vorwärts noch zurück, nicht fliehen, eingeschlossen in Wald und Sumpf. Schließlich – am vierten Tage – sind alle Römer umzingelt und besiegt.

Niemand weiß, wo genau das Geschilderte sich zugetragen hat.

Jedenfalls war es eine der schwersten Niederlagen, die die Römer je einstecken mussten. Sie bewirkte, daß die römische „Herrschaft, die an der Küste des Ozeans nicht haltgemacht hatte, am Rheinufer ihre Grenze fand“, so schrieb Lucius Florus über das Ende der Varusschlacht.

Die Römer sollten niemals mehr tiefer ins Germanenland vordringen.

Erst einige Jahre später wurde das Schlachtfeld von einem römischen Suchtrupp gefunden und die Gebeine der Gefallenen unter einem Grashügel bestattet.

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