König Rotbart und der Kyffhäuser

Hast Du einen kleinen Bruder? Nun, der Harz schon. Der heißt Kyffhäuser, und zugegeben, es gibt bessere Namen für kleine Brüder. Dieser Kleine ist auch wirklich nicht sehr hoch, nur 473,6 m ü. NHN. Ja, er ist sogar das kleinste Mittelgebirge Deutschlands – der Kyffhäuser.

Und dort, genauer im Kyffhäuser-Berg werdet ihr auf Rotbart (Barbarossa) treffen, König und Kaiser, Vater von 11 Kindern, der weder lesen noch schreiben konnte und mit 68 Jahren ertrunken aber nicht gestorben ist. Er schläft, verbannt im Berg, mitsamt seiner Tochter und dem gesamten Hofstaat, verzaubert, ein Auge halb geöffnet, mit einem langen Bart, der ihm um den Tisch gewachsen und durch den Tisch gewachsen ist und wartet darauf, endlich aufwachen zu dürfen. Ah, das stimmt nicht ganz – alle 100 Jahre sieht er kurz nach dem Rechten und beobachtet die Raben, die um das Gebirge fliegen. Erst wenn kein Rabe mehr die Burgmauern umkreist, kann er endlich ganz aufwachen.

Was er dann wohl vorhat? Und wann hat er wohl das letzte Mal nach dem Rechten gesehen?

Auf dem Kyffhäuserburgberg findest du ein Denkmal, offiziell das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal und die Reste der ehemaligen Reichsburg Kyffhausen. Die war allerdings mächtig und passt ganz und gar nicht zu „kleiner Bruder“. Wenn du die einst 600 m lange Burg mit ihren dicken, fast 10 m hohen Mauern und dem heute 17 m hohen Barbarossaturm entlangläufst, spürst du gleich die ganze Magie mittelalterlichen Burglebens.

Bild von Sven Lachmann auf Pixabay 

Reichsburg Kyffhausen. Den Barbarossaturm umgab noch ein zusätzlicher Burggraben und sollte bei einer Belagerung der gesamten Burgfamilie als aller letzte Zuflucht dienen. Ursprünglich war der Turm noch höher, etwa so hoch wie 30 deiner Freunde aufeinander gestapelt. Irre, oder? Und das zu Mittelalter-Zeiten.

Ein Teil der Burg wurde vor langer Zeit durch einen Mühlsteinbruch fast völlig zerstört. Dafür ist eine kleine Schlucht entstanden, in die du gut hineinsehen kannst.

Übrigens kannst Du hier oben noch wo hineinblicken: in den tiefsten Brunnen der Welt nämlich, satte  176 m tief. Was sich da unten wohl so alles tummelt? Oder schon dort hineingefallen ist? Oder herausgezogen wurde? Oder…?

Unser Nationaldenkmal No. 2

Das Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal dort oben wird dich wohl ein wenig verwirren. Denn es ist nicht unserem Rotbart-Barbarossa gewidmet, obwohl er dort zu sehen ist. In Stein gemeißelt. Das Denkmal huldigt Wilhelm I. – preußischer König und deutscher Kaiser. Der hatte nämlich im Jahr 1871 das deutsche Reich wieder geeint und damit – nach alter Sage die Weissagung von Barbarossa erfüllt – einst wird ein mächtiger Friedenskaiser kommen und Barbarossas Werk fortsetzen. Wilhelm hat also Friedrich (das ist der offizielle Name von Rotbart) erlöst. Seitdem sitzt „Weißbart“, also Wilhelm, auf „Rotbarts“, also Friedrichs, Thron.

Bild von Frank Klessascheck auf Pixabay 

Das Denkmal besteht aus einem fast 60 m hohen Turm, dem eine 6 m hohe Kaiserkrone aufgesetzt wurde. Du kannst fast bis zu dieser Krone hoch steigen und eine tolle Aussicht genießen, wenn du Glück hast, bis zum Brocken. Barbarossa findest du am Sockel des Denkmals, direkt unter Kaiser Wilhelm I., mit einem Auge zwinkernd und gerade eben erwachend. Er wird dir gefallen – ganz sicher.

Kinder-Wissen:
Barbarossas Steckbrief
Geburtsname: Friedrich
Beruf: Stauferkönig, Kaiser des römisch-deutschen Reiches
Karriere: wurde entmachtet, gestürzt und musste ins Exil
ertrank mit 68 Jahren während des Kreuzzugs auf dem Weg nach Jerusalem
aktuelle Position: schläft momentan im Kyffhäuser-Berg und wartet auf bessere Zeiten
Vetter: Heinrich der Löwe
Kinder: 11
Schulbildung: kann nicht so erfolgreich gewesen sein; trotzdem wurde er ein großer mittelalterlicher Herrscher.

Mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal hast du jetzt das zweitgrößte Nationaldenkmal in Deutschland besucht und eines von über 300 Kaiser-Wilhelm-Denkmälern, die es einmal in Deutschland gab. Tja, wenigstens hast Du damit das größte dieser vielen Wilhelm-Stätten erwischt.

Eltern-Wissen:
Erst im 19. Jahrhundert wurde der Sagenstoff um Barbarossa verbreitet, insbesondere durch das Gedicht Barbarossa von Friedrich Rückert und des Grimmschen Sagenschatzes.
Das Portal zur Geschichte:
Nachdem Friedrich 1152 zum König gewählt wurde, führte ihn seine erste Reise zur mächtigen Burg auf dem Kyffhäuser. Die Reise war geschickt gewählt, denn Sachsen, die östlichste Provinz seines Reiches war geschwächt von vielen Fehden und innerlich zerrissen. Dort wollte er wieder Ordnung herstellen.
Hier wurde in den 1170er Jahren europäische Politik gemacht, die Burg war Mittel- und Sammelpunkt getreuer Ritter, die Barbarossa auf seinen Feldzügen gegen Italien beistanden. 1189 schließlich bricht Barbarossa ganz in der Nähe des Kyffhäusers auf zu seinem letzten Feldzug, von dem er nie mehr zurückkehren wird.
Gelebt hat er jedoch nie in der Burg, Friedrich war ein reisender Herrscher ohne feste Residenz. Wohl aber sind Besuche belegt.

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