



Der Harz ist sagenhaft. Ein Mädchen namens Brunhilde begegnet uns in einer regionalen Sage. Die Geschichte wird folgendermaßen erzählt:
Die Sage von der Roßtrappe
Einst, noch vor den Menschen, lebten im Harz gewaltige Riesen. Sie führten ein sehr wildes Leben, maßen sich im Kampf mit riesigen Eichenstämmen, schleuderten Felsbrocken wie Kieselsteine umher und waren immerzu aus auf zügellose Fehden. Einer von ihnen, Bodo, begehrte die schöne Königstochter Brunhilde. Diese wies ihn jedoch ab. Das machte Bodo rasend wütend, so dass er sie kreuz und quer durch das Gebirge jagte, bis hin zu einer tiefen Schlucht. Da gab Brunhilde ihrem weißen Pferd die Sporen und sprang mit ihm weit über das Tal hinweg auf den gegenüberliegenden Felsen. Der Riese folgte ihr sogleich, aber war zu schwer und stürzte in das Wasser des Gebirgsflusses, welcher unten im Tal entlang floss. Der Fluss wird seitdem die Bode genannt.
In einen schwarzen Hund verwandelt, bewacht Bodo bis heute dort unten die Krone der Prinzessin, die sie bei ihrem Sprung über die Felsen verloren hatte. Viele Taucher haben seither versucht, diese Krone zu finden. Doch noch keinem ist es je gelungen.
Der Aufprall des Hufes von Brunhildes Pferd hinterließ jedoch einen tiefen Abdruck im Gestein, den ihr heute noch sehen könnt: an einem Felsstück, hoch über dem Fluss werdet ihr einen sehr eigenartigen hufeisenförmigen Abdruck im Granitgestein erkennen.
| Tipp: Auf der Suche nach dem Roßtritt Um den Hufabdruck zu finden müsst ihr auf den Roßtrappenfelsen (403m hoch) steigen. Das ist der Felsvorsprung, von dem aus Brunhilde ihren waghalsigen Sprung unternommen hat. Er liegt genau gegenüber dem Hexentanzplatz auf dem Brocken. Wie komme ich dorthin? Ihr könnt den Felsen von Bode aus selbst besteigen oder mit dem Auto und der Seilbahn nach oben fahren. Was gibt es da oben noch zu entdecken? Ein Sagenpavillon, die Überreste einer jungsteinzeitlichen Fliehburg und eine großartige Aussicht. Mehr Infos zur Rosstrappe |
Hexen und Mythen

Im Harz begegnen Dir aber nicht nur Riesen und Königstöchter. In den magischen Wäldern des Gebirges treiben auch besonders gerne Hexen ihr Unwesen, so sagt man jedenfalls.
In früheren Zeiten glaubte man fest an die Existenz von Hexen. Damals hatten die Menschen noch nicht viel Kenntnis von naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und erklärten sich bedeutende Ereignisse wie Missernten oder plötzliche Todesfälle oft mit Magie oder Zauberei. (Bild: RiGeta)
Vielfach wurden Frauen damit in Verbindung gebracht, die über besonderes Wissen verfügten, zum Beispiel Heilkräuter zu medizinischen Zwecken zu verwenden wussten oder lesen und schreiben konnten – was damals für die meisten Menschen und ganz besonders für Frauen nicht die Regel war.
Hexen waren nicht zwangsläufig hässlich oder böse, wie sie Dir vielleicht in Märchen immer wieder begegnet sind. Man könnte vielleicht sagen, sie waren anders, sie lebten ihr Leben auf ihre eigene Weise und entsprachen nicht dem Bild, dass sich die Allgemeinheit damals von einer Frau gemacht hatte.
| Das Portal zur Geschichte: Das führte im Laufe der Zeit dazu, dass diese Frauen öffentlich beschimpft und für alle schlechten Ereignisse verantwortlich gemacht wurden. Viele wurden verfolgt, grausam gequält, ertränkt oder landeten auf dem Scheiterhaufen. Was wir heute als Inquisition kennen war über drei Jahrhunderte in ganz Europa verbreitet (1450 bis 1750, frühe Neuzeit). Dass heute keine Menschen mehr verbrannt werden, verdanken wir der Zeit der Aufklärung (ca. 1650 bis 1800), in der die Menschen in Europa sich vom Aberglauben abwendeten und durch eine Reihe von wissenschaftlichen Erkenntnissen langsam an die Kraft der Vernunft glaubten. Die Menschen wollten Vorurteile und Intoleranz abbauen und eine gerechtere Gesellschaft schaffen. |
Brocken – Hexenberg – Blocksberg:
Der Berg der Deutschen
Im Harz wird der alte Hexenglaube heute noch als Brauchtum gepflegt. Rückzugsorte moderner Hexen könnten der Hexentanzplatz bei Thale sein oder eine Stelle im Wald entlang des Harzer Hexenstiegs. Jedenfalls sollen sie in der Walpurgisnacht ganz sicher oben auf dem Blocksberg tanzen. Und was glaubst Du?

Wenn nicht gerade Walpurgisnacht ist, kannst Du den Blocksberg hexensicher besuchen. Er liegt im Nationalpark Harz, heißt im richtigen Leben Brocken (1.141 m üNHN) und ist ungefähr 300 Tage im Jahr vom Nebel eingehüllt. Wenn nicht, hast Du eine fantastische Fernsicht. (Bild: RiGeta)
| Tipp: Deine Reise auf den Blocksberg Besteige den Berg eigenfüßig oder nimm die Brockenbahn von Drei Annen Hohne über Schierke. Komme möglichst früh, um die großen Menschenmassen zu vermeiden. Erfahre mehr über den Brocken und wie du nach oben kommst. |
| Elternwissen: Die Verbreitung und Popularisierung des Brockens als Hexenberg entstand vor allem durch das populäre Werk Blockes-Berges Verrichtung (1668) von Johannes Praetorius. Durch Goethes Faust. Eine Tragödie (1808), der Paetorius Buch dabei benutzte, wurde das Motiv des Hexentanzes am 1. Mai Bestandteil der nationalen Bildung. Der durch Praetorius und dann erst recht Goethe angestoßene Bildungstourismus führte seit der verkehrsmäßigen Erschließung des Brockens dann auch zu den alljährlichen Festen der Walpurgisnacht. |

