Den drei germanischen Göttern Odin, Loki und Hönir begegnete einst ein Otter. Loki erschlug ihn mit einem Stein. Der Otter war aber niemand anders als Otr, der Sohn des Riesen Hreidmar, der den Göttern des Nachts ein Lager angeboten hatte.
Die beiden Brüder des Otr sannen erst auf Rache, wollten dann aber doch die Götter verschonen, brächten sie ihnen nur genug Gold.
Am nördlichen Rande der Welt befand sich das Land der Nibelungen, bewohnt mit einem Volk von Zwergen, die in den Bergen unermessliche Schätze hüteten. Dorthin eilten die Götter und luden Haufen von goldenen Helmen, Schalen und Bechern, purpurnen Helmbändern, wertvollen Halsringen, Armreifen und Fingerringen, schimmernden Türkisen, Karfunkeln, Perlmuttern und Bernsteinen, blitzenden Fibeln, Gürtelschnallen und Gewandnadeln in Drachen- oder Adlerform und glänzenden Schwertern mit Griffen aus Gold und kostbaren Steinen in einen riesigen Sack.
Zum Schluss verlangte Loki auch den unscheinbaren Ring am Finger des Zwergenkönigs Andwari.
Ein Zauberring, der es dem Träger erlaubte, immer noch mehr Reichtum zu erlangen. Andwari belegte den Ring jedoch mit einem Fluch: „Zum Verderben nahmst du mir den Schatz, zum Verderben den Ring, und wer ihn je besitzt, der soll darum erschlagen werden. Niemand soll Freude haben an dem Gold bis an den Tag, da alles wieder mein ist.“ „Fluchen ist die Art der Schwächlinge“, höhnte Loki und die Götter verschwanden mit dem Schatz, um ihn Hreidmar zu bringen.
Der versteckte den Schatz vor seinen Söhnen. Des Nachts jedoch erschlug ein Sohn den Vater und jagte den Bruder vom Hof. Der Fluch des Rings begann zu wirken. Nun gehörte der Schatz Fafnir, dem Sohn des Hreidmar allein. Er verwandelte sich in einen Drachen und hütete den Schatz mit seinem Bauch.
Weit weg, im Land der Franken wuchs Siegfried auf, ein starker, furchtloser Knabe, der sich mit seinem Schwert Balmung eines Tages aufmachte, den Drachen Fafnir zu töten. Regin, der einst von seinem Bruder Fafnir vom Hof gejagt wurde, ersann eine List, indem er eine Grube auf dem Pfade aushob, den sein Bruder täglich kroch um zu trinken. Dort hinein sollte sich Siegfried setzen und als Fafnir über die mit Zweigen bedeckte Grube kam, stieß er ihm Balmung in den Leib.
So kam der Fluch zu Fafnir und das Gold zu Siegfried. Er badete in Fafnirs Blut und überall, wohin das Blut kam, wurde Siegfried unverwundbar. Bis auf diese eine Stelle, an der der Wind ein Lindenblatt herüberwehte, und ihm zwischen den Schultern liegen blieb – diese Stelle blieb verwundbar.
Siegfrid zog fröhlich durch die Lande, er wich keinem Streit aus und focht viele Kämpfe. Bald verlobte er sich mit Brünhilde, der Walküre und Botin Odins. Er schenkte ihr den Ring, versprach, eines Tages zu ihr zurückzukommen, sie zur Frau zu nehmen und zog dann weiter. Schnell vergaß er Brünhild und damit sein Versprechen.
Eines Tages kam Siegfried an den Hof des Burgunderkönigs Gunter. Er half ihm, die kriegerischen Sachsen und Dänen zu bezwingen und verliebte sich in Kriemhild, Gunters Schwester.
Der Handel war folgender: wenn Siegfried Kriemhild zur Frau bekam, solle der Gunter helfen, Brünhild zu gewinnen. Darauf ließ sich der verliebte Siegfried ein. Zusammen mit tapferen Recken bestiegen beide ein Schiff, das sie auf die Insel Island bringen sollte, wo Brünhild in einem hohen Schloß lebte.
„Nur wer mich im Kampf besiegt, kann mich zur Frau gewinnen“, sprach Brünhild und rüstete sich zum Wettkampf mit Gunter. Siegfried, der starke Drachentöter aber warf sich eine Tarnkappe über und kämpfte Seite an Seite mit Gunter gegen Brünhild. Sie wurde geschlagen im Speerkampf, im Steinstoßen und Weitsprung. Brünhild glaubte, Gunter allein habe sie besiegen können und reichte ihm mit wütendem Schmerz ihre Hand. Siegfried und sein Versprechen aber hat sie nie vergessen können.
Kriemhild und Siegfried lebten viele Jahre glücklich und froh, Brünhild und Gunter dagegen mit Schmerz und Zorn. Und Brünhild sann auf Rache. Zusammen mit Hagen, Gunters Bruder schmiedete sie einen Plan, um Siegfried zu töten.
Tief im Odenwald stieß Hagen aus dem Hinterhalt eine Lanze in Siegfrieds Rücken, an der Stelle, an der damals der Wind das Lindenblatt herbei wehte. Siegfried sank tot ins Gras und war besiegt.
Als Brünhild das hörte, lachte sie entsetzlich. Sie bat darum, zusammen mit Siegfried auf dem Scheiterhaufen verbrannt zu werden. So hielt sie dem die Treue, dem sie diese zuerst geschworen hatte. Hagen erzwang von Kriemhild die Schlüssel zur Goldkammer und versenkte den unermesslichen Schatz der Nibelungen an der tiefsten Stelle des Rheins.
Die Burgunder gingen unter, aber die Geschichte vom Nibelungenhort ist noch nicht zu Ende. Seither erzählen sich die Völker des Abendlandes vom unermesslichen Glanz des Goldes der Nibelungen. Der Schatz ist bis heute noch nicht gefunden.
nacherzählt

